„Ich finde, wir sollten unbedingt mit Leuten aus der AfD diskutieren“, wünschte sich Deutschlands bekannteste evangelische Theologin Margot Käßmann in einem Interview mit dem Straßenmagazin „Asphalt“ aus Hannover (06/07 2019). Sie schränkte ein: „Aber oft erlebe ich, dass es auf deren Seiten so hohe Aggressionen gibt, dass es kaum möglich ist, in Ruhe und faktenbasiert miteinander zu reden.“

Wo auch immer die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland diese merkwürdige Erkenntnis gewonnen hatte, einige Wochen später erlebte sie das genaue Gegenteil. Stefan Henze, der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, hatte die Einladung zum Dialog angenommen. Schnell war ein Termin in einem Restaurant beim Landtag gefunden. Gesprächsbedarf fürs ungewöhnliche Gipfeltreffen zwischen bürgerlich-konservativ und links-grün-kirchlich gab es genug. Im Asphalt-Interview unterstellte Margot Käßmann der AfD sie sei antisemitisch, rassistisch, frauenfeindlich und unchristlich.

Ein intensives, knapp einstündiges Gespräch dürfte Anlass gewesen sein, diese Ansichten vielleicht noch einmal zu überdenken. Am Ende waren sich beide Parteien jedenfalls einig, dass ein sachliches, konstruktives Treffen stattgefunden hatte. Themen wie Migration, Kriminalität, Pflegenotstand Wohnungsmangel sowie konservative und christliche Werte waren an einem gemeinsamen Tisch besprochen worden. Zuweilen lagen sogar echte Gemeinsamkeiten auf eben diesem Tisch: Etwa, dass unser Grundgesetz auch in punkto Islam unbedingt über der Religionsfreiheit stehen müsse.